Die Wetterprognose für den 6. Untertage Marathon in Sondershausen war vielversprechend: Temperatur am Start ca. 22 Grad, Niederschlagswahrscheinlichkeit 0 Prozent und Windstille - ideale Bedingungen um eine neue Marathonbestzeit zu laufen - oder „nur“ einige der Rahmenbedingungen bei einem der härtesten Marathonrennen in Europa. Untertage-Marathon Sondershausen bedeutet nämlich auch nur 30 Prozent Luftfeuchtigkeit, Temperatur auf der Strecke bis 26 Grad, Berglauf mit 1240 Höhenmetern, ein 10,5 km langer, stark profilierter Rundkurs 700 Meter unter der Erde, viermal zu durchlaufen. Stille und Dunkelheit statt Sambatrommeln und Lasershow.

5 Spiridonis mit unterschiedlichsten Zielsetzungen machten sich am vergangenen Freitag auf dem Weg nach Thüringen, um sich diesem Lauf-Abenteuer zu stellen. 2007_sondershausen_1 Statt der üblichen Pasta-Party bestand das Carbo-Loading am Vorabend aus herzhafter Thüringer Hausmannskost und hausgemachtem Kuchen. Am Samstagmorgen war es dann aber endlich soweit: Das Abenteuer „Marathon unter Tage“ konnte beginnen. Schon das Einfahren in die Tiefe des Brügman-Schachtes mit dem zweistöckigen Förderkorb für je 15 Läufer gibt der Bedeutung des Begriffes Dunkelheit eine völlig neue Dimension! Der anschließende, kilometerlange Transport mit offenen Pritschen-LKWs zum Startbereich im Hauptschacht lässt das spätere Streckenprofil drohend erahnen und führt zum respektvollen Staunen der Teilnehmer. Nach der Begrüßung durch das Bergwerksorchester und einer obligatorischen Sicherheitsbelehrung wurden die 400 Läufer dann um 10 Uhr mit Fahrradhelm und Stirnlampe auf die Strecke geschickt.

Bereits an der ersten Steigung trennte sich die Spreu vom Weizen. Die Schnellen von den Erfolgreichen und die Ambitionierten von den Genießern. Zu einer sinnvollen Renneinteilung zählte zum Beispiel, die Bergaufpassagen mit Steigungen bis zu 20 Prozent zu gehen und sich in der ersten Runde zunächst einmal mit dem ungewohnten Terrain vertraut zu machen. 2007_sondershausen_2 Perfekt vorbereitet durch zahlreiche Trainingsläufe im Taunus und intensivste Internetrecherchen, professionell an der Strecke betreut durch Ole Nückel und auf der Strecke zu Beginn begleitet durch Rainer Knorpp und Mario Kristl hatte Jörn Claussen die größten Ambitionen von allen gestarteten Spiridonis. Und es sollte sich sehr schnell zeigen, dass an diesem Tag mit ihm zu rechnen war. Von Beginn an sehr offensiv laufend hatte Jörn sich bis zur Halbmarathonmarke schon auf Platz vier vorgearbeitet und konnte auf der nächsten Runde den vor ihm laufenden Konkurrenten im wahrsten Sinne des Wortes stehen lassen, da dieser wohl „überpaced“ hatte.

Mit einer Zeit von 03:20:26 stellte Jörn nicht nur eine neue, inoffizielle Spiridon Bestleistung für Marathon unter Tage auf (oder zählt dieser Wettkampftyp zu den Hallensportarten?), sondern erreichte überglücklich als dritter Läufer der Gesamtwertung das Ziel. Auch für die stimmungsvolle Siegerehrung im Salzdom, dem Konzertsaal unter Tage hatte sich der veranstaltende Verein SC impuls Erfurt einiges einfallen lassen. Eingeleitet durch ein Konzert der 20-köpfigen Trommlergrupppe wurde danach gemeinsam das Bergmannslied gesungen, begleitet von der Dudelsackgruppe der „Sondershauser Pipes& Drums“. Gewohnt souverän und kenntnisreich moderiert wurde die gesamte Veranstaltung von dem in der Szene als „König der Moderatoren“ bestens bekannten Arthur Schmidt. Fazit aller Teilnehmer beim Ausfahren aus dem Bergwerk: Es war eine rundum gelungene und perfekt organisierte Veranstaltung mit bleibendem Erinnerungswert! Dieser Bericht kann nur einige subjektive Eindrücke wiedergegeben. Wer aber Lust auf ein ungewöhnliches Laufevent oder andere unterirdische Erfahrungen bekommen hat, kann sich auf der Website des Veranstalters über weitere „Abenteuer“ unter Tage informieren: www.sc-impuls.de

Die Platzierungen und Zeiten der Spiridonis im Überblick:

Marathon
Jörn Claussen: 3:20:26 3. Platz gesamt 2. Platz M40
Klaus Westphal: 5:59:25 233. Platz gesamt 49. Platz M45

Halbmarathon Rainer Knorpp 1:35:54 1. Platz gesamt 1. Platz M35
Mario Kristl 1:42:18 2. Platz gesamt 2. Platz M35

[Bericht: Rainer Knorpp und Jörn Claussen – Fotos: Ole Nückel]