portrait gerhard schroeder 7Liebe Spiridonis,

es gibt leider traurige Nachrichten: Der Ehrenpräsident von Spiridon Frankfurt e.V. Gerhard Schroeder ist am vergangenen Dienstag, dem 20. April 2021 überraschend verstorben. Am Montag war er noch walkend im Frankfurter Stadtwald unterwegs. Die Beerdigung wird in Hamburg, seiner Geburtsstadt stattfinden.

Gerhard hat überragende Bedeutung für die Entwicklung von unserem Verein gehabt. Gerhard war in den ersten 25 Jahren von Spiridon der Motor und Initiator aller erdenklichen Aktivitäten des Vereins. Unvergessen, wie er die Gruppen des Lauftreff mit deutlich über 100 Teilnehmern Samstag für Samstag auf den Weg geschickt hat. Unvergessen die Laufreisen, am liebsten in seine Heimatstadt Hamburg zum dortigen Marathon, die er organisiert hat. Gerhard Schroeder hat die Bedeutung, die Spiridon Frankfurt für die Laufszene in Frankfurt gewonnen hat auch immer wieder dazu genutzt Frankfurt als Sportstadt zu fördern und die Verantwortlichen in die richtige Richtung, bspw. zum Frankfurt Marathon, zu schubsen. Über den Silvesterlauf hinaus hat Gerhard insbesondere auch den Halbmarathon Anfang März sowie dessen Vorläufer den Zehnmeilenlauf etabliert, der aus dem Laufkalender der Republik nicht mehr wegzudenken ist.

Aber lassen wir Gerhard doch selbst zu Wort kommen. Er hat am 25. Dezember des letzten Jahres sich beim Vorstand vom aktiven Läufer Leben verabschiedet. Es ist ein berührendes Dokument eines enthusiastischen Läufers. Wir werden Gerhard Schroeder ein ehrendes Andenken bewahren und ihn nie vergessen!

Das schrieb Gerhard am 25.12.2020:

„Moin aus Frankfurt-Oberbergsachsenhausen,

auch ein Läuferleben ist endlich. Nach mehreren Erdumrundungen habe ich mit einem Lauf im Frankfurter Stadtwald über 6 Kilometer bei sonnigem Wetter am 27. Juni mein Läuferleben beendet. Mit meinem „Management“ war ich einig: Das Laufen wird immer instabiler. Also bin ich auf das Nordic Walking umgestiegen und habe mir zur zusätzlichen Motivation einen neuen Heimtrainer gekauft. Mein Tagebuch zeigt heute 2.171 „Bewegungskilometer“ für dieses Jahr an.
Ich bin unverändert glücklich, dass ich mit Anfang Vierzig das Laufen für mich entdeckt habe.

Neben dem fast täglichen Lauf im Frankfurter Stadtwald war für mich die Teilnahme an Wettkämpfen immer das Salz in der Suppe. Fast jedes Wochenende war ich quer durch Deutschland über alle Distanzen zwischen 5 km und Marathon am Start. Ein Rätsel ist mir immer noch, daß ich trotz Flugangst dreimal beim New York-Marathon mitgelaufen bin.
Natürlich gehörten auch immer wieder Marathonstarts in Frankfurt und meiner Heimatstadt Hamburg zum Laufprogramm. Jeden meiner 73 Marathons empfinde ich auch heute noch als ein besonderes Erlebnis.
Spät, aber nicht zu spät habe ich die Straßenläufe in Herten-Bertlich entdeckt. Eine ausgesprochen familiäre, perfekt organisierte Veranstaltung mit der besten Kuchentheke, die mir in meinem Läuferleben begegnet ist. Mein Kuchenlob hat der SUS Bertlich mit einer Urkunde belohnt.

Mit zunehmendem Alter landete ich als Altersklassensieger auf dem Treppchen ganz oben, auch wenn ich immer öfter als letzter Läufer durchs Ziel lief.

Ich erinnere mich gut, dass der „Kniepapst“ Dr. Holder nach der Operation beider Kniegelenke mir den Rat gab, vernünftig zu sein und mich mit Spaziergängen im Stadtwald zu begnügen. Es kam anders. Es folgten noch viele Jahre traumhafter Lauferlebnisse, auch zahlreicher Wettkämpfe. „Stammgast“ war ich immer wieder zum Beispiel in Rüsselsheim und Wolfskehlen. Jährlicher Höhepunkt war der Laufurlaub in Ostfriesland. Köhlers Forsthaus in Aurich wurde bereits zum Jahresanfang gebucht. Die Buchhandlung am Wall sorgte für die tägliche FAZ. Im Kluntjehus in Moordorf gab es Bratkartoffeln mit frischen Nordseekrabben und Rührei. Und kein Besuch ohne von den Frauen des Moormuseums selbst gebackenen Kuchen mit Ostfriesentee von Thiele.
Beim täglichen Training am Ems-Jade-Kanal begegneten mir die Ostfriesen immer mit einem freundlichen „Moin‘“.
Deshalb bin ich ausgesprochen glücklich, dass ich zu meinen letzten Wettkämpfen im vergangenen Jahr beim Münkeboer Festtagelauf und dem Wittmunder Klinkerlauf gestartet bin:
Letzter im Ziel und Sieger in der Altersklasse nach einem Lauf, bei dem mich meine Fans an der Strecke über 5 km gefeiert haben.

Last not least: Spiridon Frankfurt ist ein wesentlicher Bestandteil meines Läuferlebens. Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts war die Zeit, in der sich die Trimm-Dich-Bewegung ausbreitete. In Frankfurt war es Wilfried Matzke, der in Sachsenhausen zusammen mit seinen Eltern den zweiten Lauftreff in Deutschland gründete. Auf seine Initiative fand sich im März 1978 eine kleine Gruppe Laufbegeisterte zusammen und gründete „Spiridon Frankfurt.“ Bis 2003 habe ich über 25 Jahre den Laufverein als Vorsitzender geführt.
Gemeinsam haben wir den Verein zum Erfolg geführt, so dass Spiridon Frankfurt heute aus der Lauf- und Triathlon-Szene nicht mehr wegzudenken ist.

Ich würde mich freuen, wenn meine Fitness im Zusammenhang mit meinem „Ü-80-Anspruch“ auf bevorzugte Coronaimpfung im kommenden Jahr noch einmal für einen Walkingurlaub in Ostfriesland reicht. Bis dahin vermittelt mir die tägliche Walkingrunde im Frankfurter Stadtwald immer ein Erfolgserlebnis.

Ich wünsche ALLEN frohe Weihnachten und vor allem Gesundheit!

Gerhard“

Gerhard Schroeder - Ehrenpräsident von Spiridon Frankfurt